Sommergespräch mit Ervin Laszlo in der Toskana

von Ute Maria Lerner

Der Mann auf dem Hügel

Der Weg zu Ervin Laszlo, der heute mit seiner Frau Carita, einer Finnin, in der Toskana lebt, besser gesagt auf einem Hügel in der Toskana, schlängelt sich immer weiter in die Höhe, bis sich dann, eingebettet in einen grünen Mantel und natürlich die typischen Farben der Toskana das Tor in das Laszlo Anwesen öffnet. Vielleicht ist es dieser Weitblick, der Raum, das Gefühl der Weitläufigkeit und Unbegrenztheit, welches Ervin Laszlo schon mehrmals zu besonderen Entscheidungen in seinem Leben veranlasst hat.

Ja , es ist sehr heiß in diesen Tagen, wo in Deutschland (und auch in Italien !!) die Klimaanlagen in den Zügen ausfallen, und ich froh bin, weil ich auf der Durchreise durch die Toskana bald am Meer im Circeo bin.

In der Casa Laszlo ist nichts vom lähmenden Sommer zu spüren, heute bin ich zum Interview mit Ervin Laszlo verabredet, morgen hat sich für mehrere Tage ein Kamerateam aus Holland angemeldet, die einen Dokufilm über Laszlo drehen.

" Du kannst morgen auch kommen, vielleicht ist das ja interessant für Dich", sagt Ervin zu mir. Selbstverständliches Networking denke ich, und hänge noch einen 2. Toskana-Tag dran.

Schnell stellt sich das Gefühl ein auf diesem Anwesen, gleichzeitig zurückgezogen zu sein, und im selben Moment den "Überblick" zu haben. Der Blick kann schweifen, dass ist sicher wichtig für einen Menschen, der sich mit erweiterten Dimensionen beschäftigt, mit höheren Bewusstseinszuständen und den Notwendigkeiten eines Bewusstseinswandels.

Einer, der zugleich Mahner und Visionär ist. Seit einigen Jahrzehnten setzt er sich nun schon für eine bessere Welt ein, seit er sich entschieden hat, seine durchaus erfolgreiche Karriere als Pianist gegen die des "Denkers" einzutauschen. Bei Wikipedia finde ich Ervin Laszlo beschrieben als Systemtheoretiker, Wissenschaftsphilosoph , wichtiger Vertreter der allgemeinen Evolutionstheorie, Präsident des Club of Budapest, Mitglied in diversen anderen Organisationen, Autor etc.

Seine Aufgabe sei ihm in den letzten Jahrzehnten immer klarer geworden, nämlich dabei mitzuhelfen, dass die notwendigen evolutionären Wandlungen sich durchsetzen. Er sehe sich als Hebamme sagt er bescheiden.

Die Entscheidung für einen Berufswechsel fällte Ervin Laszlo dann auch wieder in der Höhe, nämlich anlässlich eines Winterurlaubs 1960 in Berchtesgaden, wie er erzählt. Neujahr 1960 verbrachte die Familie in einem Alpenhotel. Auf der Terrasse des Hotels an jenem Abend am 1. Januar 1960 stellte sich Laszlo in der " Höhe" die Frage: Werde ich immer Berufsmusiker bleiben, oder soll ich den Gedanken nachgehen, die mich beschäftigen? Er erhielt eine Antwort. Es war wie eine Information aus einer höheren Ebene.

"Die Entscheidung über meinen weiteren Lebensweg fiel in diesen 5 Minuten" sagt Laszlo, der schon als Kind im Spannungsfeld zwischen Musik und Philosophie aufwuchs. Die Mutter Musikerin, der Onkel Philosoph.

Laszlos Mutter, die, als sie begonnen hat zu studieren, für eine Berufskarriere als Pianistin zu alt war, brachte Ihren Sohn deshalb schon sehr früh ans Spielen. Aber auch mit dem Onkel ging er mehrmals in der Woche im Park spazieren, und hörte sich seine philosophischen Gedanken an. Mit 16 /17 schrieb er dann auch schon seine ersten philosophischen Kurzgeschichten. Diese Intuition , oder besser noch Einfälle, ("Es gibt im Englischen keinen so guten Begriff wie im Deutschen, denn it falls into your mind"), sagt er, hätten Ihn immer in seinem Leben begleitet, so habe er auch musiziert, denn er habe meist nicht nach Noten gespielt, sondern immer musikalisch interpretiert. Sein Lernen passierte über die Ohren.

"Und außerdem konnte ich auch nie gut Noten lesen" schmunzelt Laszlo.

Beim Musizieren war ich in einem Bewusstseinszustand, indem ich frei assoziieren konnte. Hier bekam er dann auch die Gedanken und Einfälle.

Seit 1984 lebt und arbeitet Ervin Laszlo und seine Frau in der Toskana. Seinen Flügel hat er im ersten Stock in den Gemäuern einer alten Kapelle stehen, (bei den Temperaturen, die wir gerade vorfinden, wohl der beste Zufluchtsort den man sich (außer einer blauen Grotte vielleicht) vorstellen kann. Schreiben tut er im 2. Stock, umringt von Bücherregalen.

Energieunabhängigkeit sei Ihm wichtig. So wird sein Anwesen versorgt über einen Sonnenkollektor, den er mir dann, im Garten stehend, auch erklärt.

"In zwei Monaten bin ich auch unabhängig was das Wasser betrifft, dann haben wir auch unseren eigenen Brunnen." Der hauseigene Weinberg und der eigene Gemüsegarten den es schon lange gibt, empfinde ich dann nur noch als selbstverständlich. Beim Lunchbreak darf ich dann auch von der eigenen Ernte probieren, und wir plaudern, sozusagen als Zugabe, über die Wichtigkeit einer guten Ernährung und die Beschaffenheit des ein oder anderen Lebensmittels, ob es Jing oder Jang ist.

Im Thema Ernährung liegen wir auch nahe beieinander, denn auch ich bin mittlerweile Vegetarierin.

Entdeckt hat Ervin Laszlo das Fleckchen Erde bei einem Familienurlaub im Winter 1973/ 74.

Damals lebte er mit seiner Familie in New York und war Angestellter der Vereinten Nationen.

Zufällig kam die Familie an diesem Hügel vorbei, er sah die alte Ruine, und wusste intuitiv: hier will ich sein! und kaufte das Grundstück am nächsten Tag.

"Meine Eltern waren auch mit, meine Mutter dachte, - diese Ruine auf einen verlassenen Hügel –" Du bist verrückt geworden", erinnert er sich.

Dann sollte ein Jahrzehnt vergehen, bis er sich entschied, ganz hier zu leben, zu arbeiten und zu denken.

Dieser Ort ist also Kraft und Inspirationsquelle. Hier verfasste er zahlreiche Bücher und Hunderte von Artikeln die international veröffentlicht werden. Er habe mehrere Berufswechsel und Wandlungspunkte hinter sich sagt er, eben vom Pianowunderkind, dass mit 9 sein erstes großes Konzert gab, zum Akademiker, Gastdozenten , Forscher und Angestellten, Beauftragten der Vereinten Nationen bis nun zum freien Autoren und Schriftsteller . Darüber hinaus war Laszlo eine frühes Mitglied des Club of Rome, und hat 1996 den Club of Budapest ins Leben gerufen, dessen Präsident er heute ist, dem namhafte Personen aus Politik, Kultur und Wirtschaft angehören wie der Arzt und spirituelle Führer Deepak Chopra, der Schriftsteller Paulo Coehlo, der Dirigent Zubin Metha, Michael Gorbatschow, Desmond Tutu, Hans D. Genscher, Vaclav Havel, Liv Ullmann und viele andere. Laszlo selbst wurde bereits 2 Mal für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.

Niemand geringeres als der Dalai Lama war es, der sich Zeit nahm, bei einer persönlichen Audienz 1995 in Indien, das Manifest zur Gründung des Club of Budapest mit wertvollen Vorschlägen zu ergänzen.

Eines von Laszlos Plädoyers darin lautet:

"Inzwischen besteht für jeden von uns die moralische und praktische Pflicht, hinter die Fassade der Ereignisse zu schauen, hinter die Machenschaften und Polemiken praktischer Politik, hinter die reißerischen Schlagzeilen der Medien, und hinter den vordergründigen Schick des gerade aktuellen Lebens und Arbeitsstils.

Unser Planet hat keine unendlichen Ressourcen, er ist ein geschlossenes System, was die Materie betrifft. Wir müssen also die Materie nachhaltig bewirtschaften und unseren einzigen Überfluss, die Sonnenenergie sinnvoll nutzen.

Wir müssen uns noch von so einigen anderen Mythen verabschieden, " sagt Laszlo.( siehe auch sein Buch Weltwende 2012)

Seit seinem 16. Lebensjahr sei er Weltreisender, sagt er, denn damals verließ er mit seiner Mutter seine Heimat Ungarn, aus Angst vor einer kommunistischen Diktatur. Nach er den Preis vom Genfer internationalen Musikwettbewerb erhalten hat, kehrt er nicht mehr zurück.

Dann ging es über Paris nach Amerika, wo er 5 Jahre bleibt. Dort trifft Ervin und seine Mutter wieder mit dem Vater zusammen.

Er sei schon seit seinen Jugendtagen keine stabile Umgebung mehr gewohnt, fühle sich weder als Italiener, noch als Amerikaner oder Deutscher, auch nicht ganz ungarisch, obwohl er in all diesen Ländern gelebt habe, er sei immer überall zu Gast, sei nicht fremd, fühle sich schon an manchen Orten zu Hause, fühle sich wohl in Europa, aber er sei nirgends: "Von hier".

Ein schönes Bild, denke ich, für jemanden der im Grunde auf der Erde zu Hause ist.

Das universelle Bewusstseinsfeld, dass sogenannte Akasha Feld (dazu erscheint sein Buch im Dezember 2010 im Via Nova Verlag) sei eigentlich allen zugänglich, denn der Mensch sei immer in enger Verbindung zur Natur gewesen. Dies wurde in den letzten paar hundert Jahren in der westlichen Zivilisation unterdrückt, die Rationalität war vorherrschend, und damit die Annahme, die einzige Realität sei die, die durch Augen und Ohren fließt, alles andere sei Einbildung. Dies hat die Verbindung zum universalen Informationsfeld unterdrückt. Wenn man sicher ist, dass etwas nicht existiert, dann sieht man es auch nicht.

Normalerweise, kann man sagen, "Ich glaube was ich sehe." Aber das umgekehrte gibt es auch, sagt Laszlo. "Ich sehe, was ich glaube."

Unsere kognitive Haltung beeinflusst, was man wahrnimmt. Unsere Wahrnehmungen verstärken unsere Vorstellungen. Wenn man also sicher ist, dass was nicht sein kann, wird man auch nicht davon beeinflusst, bzw. es tritt nicht in Erscheinung, höchstens in Krisensituationen. Es gibt viele Menschen, die durch eine Krisensituation erst in ein erweitertes Bewusstsein gekommen sind.

Die früheren Gesellschaften, die die Verbundenheit zur Natur noch gelebt haben, waren nachhaltiger. Erst durch die Trennung von Mensch und Natur, und in dem Moment, als der Mensch sich über die Natur gestellt hat, ging unsere Verbindung zu einer höheren Dimension verloren.

Heute erleben wir wieder eine Renaissance der Spiritualität. Persönliche Einsicht oder Erfahrung in die höhere Natur kann man mittlerweile immer mehr mit den neuen Wissenschaften belegen.

Ich frage Ervin Laszlo, wie man dieses Bewusstsein denn für "Alle" öffnen kann.

"Diese Verbundenheit ist eine Art Quantum Resonanz Phänomen (er nennt es „Quantum Bewusstsein"). In den letzten Jahren sind wir darauf gekommen, dass in der biologischen Welt diese Resonanzeffekte stattfinden.

Das ist eine mögliche wissenschaftliche Erklärung, dass wir mit der Welt, miteinander und mit dem ganzen Kosmos mehr verbunden sind als durch unsere sensorielle Wahrnehmung, und eine Erklärung dafür, dass es eine Verbindung zu entfernten Realitäten gibt.

Was früher eine geistige, nichtwissenschaftliche Aussage war, kann jetzt glaubwürdiger gemacht werden, und gewinnt somit an Credibilität. Durch diese Credibilität kann es immer mehr Menschen näher gebracht werden und sichtbar gemacht werden, dass es keine Einbildung ist, sondern tatsächlich stattfindet."

Die schönste Beschreibung über Religion und Spiritualität ist für Ihn die von Willam James (Us- amerikanischer Psychologe, Mediziner und Philosoph 1842-1910)

James sagte: Spiritualität ist das Bewusstsein, dass wir mit etwas Höherem als uns selbst verbunden sind.

Es gibt ja zahlreiche Forschungen zum Beispiel über die Wirkung und Heilungseffekte von Gebet und Meditation in der Medizin. Larry Dossey, der bekannte amerikanische Mediziner und Autor forscht schon seit Jahrzehnten auf diesem Gebiet der neuen, der non-lokalen Medizin, und setzt sich für diese ein.

Das medizinische Establishment will diese Erkenntnisse offiziell nicht anerkennen, aber in Wirklichkeit wird es schon von einer ganzen Menge von Ärzten praktiziert.

Er selbst vertraut seine Gesunderhaltung seit mehr als 25 Jahren alternativen Heilmethoden an. Bei uns gibt es erste Öffnungen des etablierten Gesundheitssystems, ein Beispiel, ist, dass von den Krankenkassen mittlerweile Akupunktur als Therapie anerkannt wird. Aber, - so sind wir beide uns einig-, die Öffnung geschieht zu langsam.

Wenn beide Systeme sich unterstützend ergänzen würden, dass wäre der Idealzustand, führe ich diesen Gedanken für mich selbst weiter.

"Es geht nicht darum, unserer heutigen dominanten Weltsicht noch etwas hinzuzufügen,

sondern es geht um eine grundsätzlich neue Weltsicht, " sagt Ervin Laszlo, um eine grundsätzliche Transformation unserer Vorstellungen über uns selbst und unsere Welt. Der Unterschied der jetzigen Weltsicht zur neuen Weltsicht sei zu vergleichen mit der mittelalterlichen Weltvorstellung zu wissenschaftlichen Weltsicht.

Die Schlüsselbegriffe sind Bewusstsein und Information. Nicht nur Information im Sinne von Internet und Medien, sondern auch Information in der Natur, und Information in dem Sinne dass diese durch unser Bewusstsein in die Welt gebracht wird."

Welche kritische Masse braucht es, um Wandlungen herbeizuführen frage ich Laszlo.

"Die kritische Masse ist relativ", so Laszlo, "in einem stabilen System braucht es eine große kritische Masse, umso instabiler das System ist, umso kleiner braucht die kritische Masse zu sein, um bestimmte Effekte zu erzielen. Je näher man dem Bifurkationspunkt kommt, jenem Punkt, an dem ein instabiles System zu kippen droht, desto größer ist die Gefahr des Zusammenbruchs des alten Systems, und somit auch die Chance zur Veränderung und Erneuerung.

Also je mehr wir in Krisensituationen kommen, desto schneller kann eine kleine Gruppe schon Wandlungen herbeiführen.

Die Wandlung und Veränderung, so Laszlo, kommt von unten, von den Rändern der Gesellschaft, nicht von oben. Die bestehenden Systeme versuchen sich so lange wie möglich zu erhalten, bzw. den Status Quo beizubehalten. Die Führungseliten hängen an ihrer alten Weltsicht und Macht, während an den Rändern schon die Veränderungen passieren, aber dadurch sei eben auch eine Kluft entstanden zum Rest der Gesellschaft.

Das in fast allen spirituellen Traditionen bedeutsame Datum 2012 könne man in diesem Zusammenhang gut instrumentalisieren. Wenn viele Menschen glauben, dass wir vor einer großen Transformation stehen, und dieses Bewusstsein verbreiten, sie sich sozusagen auf eine bessere und nachhaltigere verantwortungsvollere Welt einstellen, und spüren, dass sie sich selbst so einstellen möchten, wird die kritische Masse eher erreicht, dass kann dann epidemisch werden, und dieser " gute Virus" kann sich schnell verbreiten. Jeder einzelne kann diesen Virus weitergeben und das heißt, jeder einzelne muss bei sich selbst beginnen mit einem Bewusstseinswandel.

Seit Anfang des Jahres bietet die Autorin, die Schauspielerin Ute Maria Lerner eine Lesung aus Ervin Laszlos Buch Weltwende 2012 an. ( Scorpio Verlag )Sie möchte für die Gedanken Ervin Laszlos als Multiplikatorin auftreten.

Weitere Infos zu Ervin Laszlo finden sie im Internet unter:

www.ervinlaszlo.com

www.worldshift.com

Infos zur Autorin:

www.maria-lerner.de


Über den Autor 

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