Interview mit Anya Schmidt

Sie haben drei Jahre lange benötigt, um diesen tiefen, weisen und beseelten Film überÑaupany Puma, einen Sonnenpriester der Inkas, zu drehen. Was hat Sie über diese Jahre hinweg an Ñaupany fasziniert, dass Sie diesen langen Atem bewiesen haben?

Als ich Ñaupany Puma vor einigen Jahren kennenlernte, begegnete ich einem Menschen, dessen Lebensweise von einem ständigen Dialog mit den Kräften der Natur, mit dem Geist der Erde, der Sonne und mit allen Wesen erfüllt war. Mit dieser Art zu leben, hat mir Ñaupany im Laufe der letzten drei Jahre das Tor zu einem ganzheitlichen Bewusstsein geöffnet.

Die Weisheiten der Urvölker sind in ihrer Einfachheit sehr fundamental und sie haben uns in dieser Zeit des Umbruchs viel zu lehren. Das ist es, was mich inspiriert hat.

Ñaupany begibt sich auf eine lange, meditative Reise, er pilgert nach Peru, nach Indien, nach Ägypten, und zu vielen anderen Orten, um Erkenntnisse zu sammeln. Auch Goethe sagte einmal „Als Pilger sind wir Werdende". Welche Erkenntnis „wird" in ihm?

Für Ñaupany bringt der Pilgerweg die eindeutige Erkenntnis, dass sich die Erde und die Menschheit in einem schwierigen Geburtsprozess befinden. In dieser entscheidenden Phase sind wir alle aufgerufen, das Vergangene zu klären und wieder ein Gleichgewicht zu erlangen. Ungeklärte, schmerzliche Ereignisse aus der Vergangenheit kehren wie ein Bumerang immer wieder ins Erleben zurück, bis wir das ewig wiederkehrende Rad durchbrechen. Am Ende des Pilgerweges steht deshalb Ñaupany‘s wichtigste Erkenntnis: Eine neue Zukunft entsteht nur aus einer geheilten Vergangenheit.

Wie haben sie die Dreharbeiten empfunden? Gibt es ein besonderes Erlebnis?

Alles hat mich bei den Dreharbeiten berührt. Alle Erlebnisse waren besonders. Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll, zu erzählen. Es war meine erste Begegnung mit Südamerika, den indigenen Völkern, den alten Sonnenkulturen, dem Ur-Wissen, dem Geist der Erde, der Sonne… Und so war alles auf dem Weg ewig spannendes Neuland.

Was mich sicherlich immer wieder sehr berührt hat, waren diese unglaublichen Szenen, in denen die Tiere, die Natur, die Elemente, die Sonne, die Erde, in solch einem innigen Dialog mit uns standen und dies durch Zeichen immer wieder deutlich sichtbar machten. Für mich reihten sich Wunder an Wunder und stellten alle bisherigen Erfahrungen auf den Kopf.

Hat Ñaupany eine besondere Botschaft für uns, wie wir mehr in Kontakt treten können mit der Weisheit des Wandels?

Ñaupany Puma ist ein Mensch, der es tief verinnerlicht hat, immer im Augenblick zu leben und mit der Weisheit des Herzens in Verbindung zu sein. Die Weisheit des Herzens ist das, was wir in unserer Kultur als Intuition, als die innere Stimme, bezeichnen. Ich habe für mich erlebt, dass uns diese Weisheit unfehlbar und wundersam führt - zu Orten, zu Ereignissen und Informationen – zu all dem, was wir für unseren Weg durch den Wandel brauchen. Dieser inneren Stimme zu vertrauen, ist für uns Verstandesmenschen sicherlich eine Herausforderung, aber gerade jetzt eine wichtige Lernaufgabe.

Der Film wurde im Mai beim Cosmic Cine Festival mit dem Cosmic Angel 2011 ausgezeichnet. Was verbinden sie mit dieser Auszeichnung?

Es gibt nichts Größeres, als nach 3- jähriger Arbeit auf diese Weise belohnt zu werden. Diese Auszeichnung bedeutet für mich vieles - ein großer Kreis hat sich damit geschlossen und die wundersame Führung des Lebens wurde damit wieder einmal deutlich sichtbar. Ich sehe für mich bestätigt, dass es sich auszahlt, dem Ruf des Herzens zu folgen. Sehr lange waren wir ganz auf uns selbst gestellt und es gab nichts, an dem wir uns hätten festhalten können, außer am eigenen Vertrauen. Und dieses Vertrauen wurde belohnt.

Für Ñaupany hat der Cosmic Angel natürlich noch ganz andere Dimensionen berührt. Während es sich bei der Preisverleihung anfühlte, als hätten tausende von Inka-Ahnenseelen den Atem der Erlösung in den Raum gehaucht, sagte er:

„PACHAKÚTEC hat uns Indigenen die Gelegenheit gegeben, nach 500 Jahren wieder unsere Stimme mit der Welt zu teilen. Dass ihm dieser Preis verliehen wurde, erlebe ich als eine Würdigung unseres Schicksals und als einen historischen Moment. Ich möchte diesen Preis allen Urvölkern der Erde widmen, denen ein ähnliches Schicksal widerfahren ist. Die meisten werden niemals eine Wiedergutmachung erleben. Dieser Preis ist für uns die lang ersehnte Antwort Europas."

Schönerweise wird PACHAKÚTEC auch ab Oktober 2011 in die deutschen Kinos kommen.Was glauben sie, macht den Film so erfolgreich?

In der Tat waren die Reaktionen des Publikums bisher überwältigend. Immer wieder weinten die Menschen vor Berührung, nachdem sie Ñaupany‘s Weg auch für sich selbst, für ihr eigenes Leben so tief miterleben und mitfühlen konnten.

Ich glaube, dass die Botschaft des Films universell ist. In diesem Zeitalter des Verstandes, der Umweltkatastrophen und des Getrenntseins, spricht PACHAKÚTEC etwas sehr Ursprüngliches in uns allen an – die Sehnsucht nach Fühlen, nach Erleben, nach Heilwerden im Herzen, nach Rückverbindung mit der Erde, der Natur, und den ganzheitlichen Werten.



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